Sonntag, 18. Januar 2015

Sei doch kein Schaf!

Ein ästhetisches Plädoyer gegen die Massentierhaltung und Wegwerfgesellschaft

Diese Jacke habe ich mir vor Jahren gestrickt und trage sie jedes Jahr wieder gerne. Es fiele mir im Traum nicht ein, sie einfach wegzuwerfen. Hingegen landet ein modisches Teil vom Discounter viel eher nach der Saison im Müll.

Dieser Müll fordert Opfer. Da denken wir natürlich gleich an die armen, ausgebeuteten Dritte-Welt-Länder, in denen uns Kinder und völlig unterbezahlte Menschen die Pullover zusammennähen. Aber was ist mit den Wolllieferanten? Die Angorakaninchen, deren "Erntung" haarsträubend ist, ist mir nichts Neues. Was mir aber gar nicht in dem Maße bewusst war, ist die Haltung und Schur der Schafe. Das ist an Tierquälerei kaum zu übertreffen, besonders in Australien. Um nur ein paar Schlagworte in den Raum zu werfen, nenne ich an dieser Stelle "Mulesing, Kastration ohne Betäubung, Sterben durch sowohl Hitze als auch Kälte durch fehlende Unterstände". Die Hartgesottenen unter euch können sich gern folgenden Bericht ansehen, der bei "Tiere suchen ein Zuhause" gesendet wurde...klick

Wer könnte der Massenproduktion besser entgegenwirken, als wir Handarbeiter. Die Stunden der Herstellung verbinden wir in der Regel mit Freude, Gemütlichkeit und Glücksmomenten. Am Ende sind wir mit Stolz erfüllt und das gute Stück hat für uns einen ganz anderen Wert als die nebenher beim Einkauf für kleines Geld erworbenen Teile.

Die Berichte und der Aufschrei der Verbraucher lassen die Firmen reagieren, wie ich mit Freude festgestellt habe. Bei meinem letzten Wollkauf fragte ich meine Wolldealerin nämlich, ob sie um diese Umstände wisse. Sie verzog sehr freundlich und doch für mich sichtbar das Mündchen. Ich sah mich gegen eine Wand kämpfen, doch bei meinem Kauf von Sockenwolle in der vergangenen Woche bekam ich ein Heftchen dazu. Seht selbst:

Keine geringere als Sarah Wiener setzt sich für genau diese Wertschätzung ein. Und meine Wollfrau hat offensichtlich bei ihrer Firma nachgefragt. Na, bitte! Wir können alle die Dinge in Bewegung setzen. Gehen wir es an.

Nun bin ich jedenfalls im Strickrausch. Da ich bezüglich Socken Blut auf vielen tollen Blogs geleckt habe, aber nach Jahren eingerostet war, belegte ich Sockenkurse online bei meisterclass.de und bei makerist.de

Vergleichend empfehle ich Anfängern den sehr strukturierten Kurs bei Meisterclass, während Makerist wesentlich mehr Anregungen und Informationen gibt.

Meine dabei entstandenen Socken trage ich total gern. Nichts wärmt so schön wie Wolle. Hier sind sie mit Bumerangferse, Bandspitze und einem Tattoo gegen Rutschen auf glatten Böden.

Die Spitze werde ich nächstes Mal, wie auf Makerist beschrieben, so abketten, dass eine rundere Spitze entsteht. Das schön weiche Merinogarn liegt bereit.

Am gestrigen Abend begann ich eine Strickjacke aus schwarzer Wolle, die ich noch liegen hatte. Natürlich werfen wir keine Wollknäuel weg. Natürlich nicht!!!

Mal sehen, wohin der Weg mich führt. Ich stricke einfach immer drauf los. Es soll eine schlichte Strickjacke werden. Wert lege ich auf perfekte Ausarbeitung und Details. Für das Bündchen strickte ich drei Reihen glatt rechts und dann 4 cm eine Masche rechts, eine Masche links. Auf der rechten Seite stricke ich die rechten Maschen verschränkt, auf der linken Seite die linken Maschen.

Von meiner Freundin Sonja aus Los Angeles bekam ich in dieser Woche Fotos ihrer derzeitigen Strickprojekte, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

 Und noch mehr...

 

 Und noch eine pinke Jacke...

 


Ich bin schon sehr gespannt auf die fertigen Teile. Muss sie uns unbedingt zeigen, oder? Und Sonja...du bist eine wunderbare Strickerin, aber eine miserable Fotografin. Ich höre sie jetzt schreien, das habe sie doch nur mit dem Handy gemacht. Okay...

Beim Nähen hänge ich in der Warteschleife, da ich auf der Suche nach einem sehr kuscheligen Rückseitenstoff für den Pfeilquilt unserer Tochter Lili bin. Dieser muss weich sein, darf sich nicht ziehen, eine super Farbe haben und wenn es geht auch noch Überbreite. Also weiße Mäuse mit schwarzen Schwänzen. Mal sehen, wieviele Kompromisse ich eingehen muss.

Nun hab ich euch genug strapaziert und bedanke mich herzlichst für euer Zuhören. Ich hoffe, ihr betrachtet nach meinem Geschriebenen all eure Werke mit extremer Liebe. 

Habt viel Freude!

Eure Heike


Kommentare:

  1. Liebe Heike,
    was für eine wunderschöne Strickjacke, ihr sieht man an, dass sie mit Liebe gefertigt wurde und sicher immer noch dein Winterliebling ist ;-) Mir haben auch deine Gedanken zum nachhaltigen Stricken sehr gefallen, ich muss mal zusehen, ob ich das Info-Heft hier ebenfalls bekomme. Deine Bumerangferse steht meiner in nichts nach, die Socken sind wahrscheinlich geauso kuschelig wie meine. Und mit deiner Einschätzung der beiden Kurse stimme ich dir zu 100% zu! Dein neues Strickprojekt sieht ja sowas von edel aus, das Bündchen ist top, muss ich auch einmal so stricken. Liebste Grüße aus Köln von Martina

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  2. Hallo Du Strick-Künstlerin!
    Das sind ja tolle Stücke, die Du so produzierst! Die Jacke ist wunder-wunderschön! Ich mag Norwegermuster sehr. Ich stricke ja auch gerne, meist Socken oder Armstulpen, für eine Jacke oder einen Pullover mit dünnen Nadeln habe ich allerdings keine Geduld.
    Herzlichste Grüße
    Renate D.

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  3. Liebe Heike,
    das sind wunderschöne Strickereien Süße, und die Socken die schauen total kuschlig aus.
    Ich drück dich und wünsch dir einen schönen gemütlichen Abend.
    Busserl von Tatjana und natürlich auch vom Emil der kuschelt gerade mit seiner Freundin ;-) ich hab ihn gerade fotografiert und schick dir ein Foto per Mail

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  4. Hi Heike,
    an die Scharfe habe ich so noch nie gedacht, weil es mir auch total unverständlich ist, dass man Tier quält. Aber natürlich, muss man leider sagen, findet das auch da statt. Gut, dass darüber gesprochen und geschrieben wird und gut dass es auch Wolle von glücklichen Scharfen gibt.
    Perfekte Socken und bin gespannt darauf was du aus der schwarzen Wolle machst.
    Die Jacke oben im Post ist super toll und zeitlos schön und bequem.
    Liebe Grüße
    Bente

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  5. Wie fleißg du bist, das haut mich ja glatt um. Ich komm im Moment gar bicht voran mit den Maschen, weil ich schon zwei mal wieder rückwärts stricken musste, ... Aber ich geb dir voll und ganz recht. Die selbstgestrickten Teile haben ihren ganz eigenen Wert und ich trag sie auch ganz besonders gern.
    Liebe Rosaliegrüße

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